Eine Handelsmarke aus Matrix

„Nimm die blaue Pille – die Geschichte endet, du wachst in deinem Bett auf und glaubst, was du auch immer glauben willst. Nimm die rote Pille…“ Dies ist wohl einer der bekanntesten Sätze aus der Matrix-Trilologie, welcher sich an Neo, den Hauptdarsteller  richtet. Aber was hat das alles mit Keksen zu tun?

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Quelle: eigenes Bild

… NICHTS!

Oreo ist eine Kekssorte des US-amerikanischen Unternehmens Nabisco (einer Tochtergesellschaft von Mondelez) und kam 1912 auf den Markt und genießt seit vielen  Jahren „KULTSTATUS“. Hier ein Beispiel:

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Quelle: Twitter.com

LIDL fällt nichts besseres ein als die Marke zu kopieren und NEO zu nennen. Ich gebe einen von fünf Sternen. Warum? Weil man bei einer Bewertung im Netz immer mindestens einen Stern vergeben muss. 😉

 

Cross-Selling beim Bäcker

Alles? Oder kommt noch etwas dazu? Dann nehme ich noch das handgeformte Ultra-Bio-Vital-Brot ohne Gluten und Laktose… und die Edeka-Handelsmarken Grillkohle für 4,99 €

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Cross-Selling mit Aktionsständen oder Sonderverkaufsflächen sind ja schon lange fester Bestandteil des stationären Einzelhandels. Besonders häufig finden wir sie im Lebensmitteleinzelhandel. Da Bandbreite and Cross-Selling reicht von Osterflächen, über Oktoberfest bis hin zum Grillen. Auf diesen Flächen sind typischerweise verschiedenste Produkte, die normalweiser nur an unterschiedlichen Standorten und Regalen im Geschäft zu finden sind, zusammengestellt und der Kunde kann z. B. Grillwürste, Kräuterbutter und verschiedene Soßen gleich in den Einkaufswagen legen ohne weitere Strecken dafür laufen zu müssen. Praktisch und einfach. Meist ist die Cross-Serling Auswahl auf wenige Hersteller eingeschränkt und häufig stehen nur höherpreisige Dinge zusammen. Der Kunde soll also nicht vergleichen, sondern einfach mitnehmen, weil es so praktisch und er sich die Zeit zum zusammenstellen spart.

Welche Synergien oder Cross-Selling Potential erhofft sich ein Bäcker von Grillkohle der Handelsmarke Edeka beim Brotkauf? In einer Metzgerei ist der Kunden tendenziell näher bei Grillen als beim Bäcker. Die Grillkohle ist bei Edeka für 2,99 € zu haben in der Bäckerei für 4,99 €… Kräuterbutter gibt es aber leider nicht.

Insektenburger… Hmmm!

Seit Jahren steigt der Zahl der Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren. Die Motive für diese Ernährungsweisen sind sehr unterschiedlich, Ablehnung von Massentierhaltung und Tötung, die Erkenntnis – das die gesamte Menschheit durch Tierhaltung einfach nicht mit Nahrungsmitteln versorgt werden kann – oder es gibt Menschen denen Fleisch einfach nicht schmeckt. Es gibt also ethische und moralische Motive, ökonomische und geschmacklich Gründe seine Ernährungsgewohnheiten zu verändern.

Fakt ist: eines der dringlichsten Probleme auf diesem Planeten ist die gerechte und dauerhafte Versorgung mit ausreichend, sauberen und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln für alle Menschen.

Zur Lösung der ethischen und moralischen Fragen, gibt es inzwischen Fleisch und Muskelgewebe welches durch Zellvermehrung im Labor hergestellt wird. Mit dem Ziel Fleisch ohne Massentierhaltung und Tötung zu erzeugen. Ein weiterer Ansatz könnten Insekten sein, im Vergleich zu anderen Nahrungstieren haben Insekten eine sehr hohe Reproduktionsrate und sie verbrauchen dabei im Vergleich viel weniger Ressourcen. Hier wird also die ökonomische Frage adressiert. Bleibt noch der Punkt mit dem „Schmecken“. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. 😉

Die Firma Bugfoundation, hat sich was Neues einfallen lassen. Den laut eigener Angabe „ersten Insektenburger Deutschlands“. Guten Appetit!

Wichtig, der Hinweis schmeckt, ob da wohl ein kritischer Punkt adressiert wird? 🙂 Welchen Mehrwert das Bio-Soja in Kombinat mit den Würmern bringt, bleibt leider offen. Vielleicht gibt es den Insektenburger ja auch demnächst bei Ihrem Bio-Lebensmitteleinzelhändler.

 

 

Edelsalami – gut und günstig…

Premium- und Preis/Mengen-Strategie schließen sich aus. Entweder ist etwas hochwertig und dann kostet es einen entsprechenden Preis oder etwas ist günstig dann hat es allerdings eine geringere Qualität.

Edelsalami-Gut und Günstig

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Trotzdem wird gerade im Bereich der Konsumgüter insbesondere bei Lebensmitteln versucht durch geschickte Kombination von Begriffen den Anschein zu erwecken, der Käufer kann zu einem sehr niedrigen Preis einen sehr hochwertigen Artikel kaufen.

Edel, soll heißen hochwertig und „gut und günstig“ klingt ein bisschen nach Rechtfertigung. Ein klassischer Widerspruch in sich!

Wird der potentielle Käufer in diesem Beispiel aus der Tiefkühltheke nun also getäuscht? Oder einfach „nur“ für DUMM VERKAUFT? 🙂

PIZZA ist PIZZA

Die Lebensmittelindustrie ist bekannt für kreative Neuinterpretationen von Bestehendem. Da wird auf Details häufig nicht soviel Wert gelegt und nach dem Motto „don´t call it Schnitzel“ (denn es ist ja auch keins!) verfahren. Doch je eindeutiger Begriffe besetzt und belegt sind, desto schwieriger ist es sie neu zu positionieren.

Aktuell definiert Wikipedia den Begriff Pizza so: „Pizza ist ein vor dem Backen würzig belegtes Fladenbrot aus einfachem Hefeteig aus der italienischen Küche. Die heutige, international verbreitete Variante mit Tomatensauce und Käse als Basis stammt vermutlich aus Neapel.“

Hack-Pizza

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Die Verpackung suggeriert durch den typisch italienischen Namen Luigi einen Bezug zu Italien. Pizza steht auch darauf, doch HALT. Wie war das noch einmal mit dem Fladenbrot oder dem Hefeteig? Oder was ist eigentlich mit der Tomatensoße? Fehlanzeige!

Die Hauptbestandteile dieser Pizza-Neuinterpretation sind Hacksteak aus Schweine- und Rindfleisch. Was genau hat das mit Pizza zu tun? Nichts.

Vielleicht lässt sich das Produkt Hack-Pizza, ja auch um die Variante Pferdefleisch erweitern. Da weiss man doch, was man für 1,89 € bekommt. Danke liebe Lebensmittelindustrie und don´t call it Pizza.

Voll Banane

Der Einzelhandel schafft es immer wieder Dinge zu tun und hervorzubringen, die bei genauer Betrachtung absurd erscheinen. Dass die Grenzen zwischen echtem Mehrwert und unnützem Zeug in unserer konsumorientierten Gesellschaft oft fließend sind, hat Vertriebsprache.org schon diverse Male mit Beispielen belegt. Hier ein erneutes Beispiel aus dem stationären Lebensmitteleinzelhandel:

Bananen in Schale und Folie verpackt-absurd

Quelle: Eigenes Bild

Allein die Aspekte Umweltschutz, Materialverschwendung und fehlende Sinnhaftigkeit müssten hier schon zu einem Aufschrei führen. Die zusätzlichen Kosten für die Verpackung um die natürliche Verpackung sollten als Argument per se schon viel weniger wiegen, dennoch ist doch gerade der Einzelhandel immer an Kosteneinsparungen interessiert, hier gäbe es Potential.

Der Ausdruck Bananenprinzip ist mittlerweile ein stehender sarkastischer Ausdruck für die Idee, ein noch unreifes (sprich: mangelhaftes) Produkt könne beim Verbraucher reifen. Es ist zu wünschen, dass zusätzliche verpackte Bananen schnell aus den Regalen der Lebensmitteleinzelhändler verschwinden und nicht beim Kunden reifen…

NZZ-Produkt Bananen geschält

Quelle: Eigenes Bild

Im Oktober 2014 hielt ich diese Idee noch für einen guten Werbegag, eine Utopie die im tatsächlichen Leben keine Existenzberechtigung hat. Zu dem dazugehörigen Artikel geht es hier.