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Schlagwort: Buchhandel

Panik im Outdoor-Business

Hilfe die Welt geht unter! Vorräte und Trinkwasser sind entscheiden. Der Neustart der Welt, kann jeden Moment beginnen… Bereite dich vor! Hier die 99 wichtigsten Tipps… für nur 9,99 €, exakt in dieser Anmutung präsentieren sich u.a. die Bücher auf dem obigen Bild.

Nun in einer Buchhandlung wären diese Titel im Rahmen eines Gesamtsortimentes wahrscheinlich gar nicht so ungewöhnlich. Das Besondere hier ist ein Spezialist für Outdoor-Ausstattung bietet diese Bücher an. Zwischen Reiseführern, Reiseliteratur allgemein und Bildbänden befindet sich an prominenter Steller eine nicht gerade kleine Auswahl an… „DIE WELT GEHT UNTER – WIR WERDEN ALLE STERBEN“ – Büchern.

Neulich im Outdoorfachhandel-Globetrotter

Quelle: eigenes Bild

Soll das etwa bedeuteten, dass mehr Zelte und Outdoorausrüstung (Überlebensausrüstung) verkauft wird, wenn ein passendes Angstszenario mitgeliefert wird? Und warum muss ich gerade an den Zusammenhang zwischen Giftgas und verkauften Gasmasken denken? Was ist eigentlich mit meiner Lebensversicherung??? Oh nein, ich habe gar keinen Waffenschein…

Mehr Angst = mehr Umsatz? Dieses Vertriebsmodell ist aus einigen Branchen bekannt, in der Outdoor-Branche ist es mir bislang nicht aufgefallen. Es ging in der Regel um positive Erlebniswelten, Abenteuer, Entdeckung und darum sich auf die unberührte Natur zu besinnen. Vor wenigen Wochen hat Greenpeace in seiner DETOX Kampagne diese vermeintlichen Marketingwelten auf erschreckende Art und Weise aufgelöst und auf massive Probleme mit Chemikalien bei der Produktion von Outdoor-Bekleidung hingewiesen.

Am Ende des Tages ist es auch für einen stationären Outdoor-Händler überlebenswichtig, dass die Umsätze und Margen stimmen. Also nur wenn Kunden die Produkte kaufen, wird der Händler sie weiter anbieten – der Kunde hat also jede Menge Möglichkeiten schlechte, schädliche oder unnütze Produkte zu verbannen. Der Trick ist sich einfach nur keine Angst machen lassen, nicht in Panik zu geraten und einfach nicht kaufen.

Kinderromane bei Toys „R“ Us

Der Spielwareneinzelhändler Toys“R“us bietet ein breites Sortiment an Spielwaren und Kindersachen an. Da erscheint es gerade zu logisch, dass es auch Bücher für Kinder gibt. Wer bei Kinderbüchern jetzt allerdings an Michael Ende, Astrid Lindgren oder Erich Kästner denkt, ist bei Toys“R“us leider nicht ganz richtig.

In der Kategorie Kinderromane werden Bücher von Lego z. B. zum Thema Harry Potter, zu Star Wars oder Herr der Ringe angeboten. Sind das eigentlich echte Kinderbücher? Handelt es sich um Romane?

Kinderromane

Quelle: Eigenes Bild

Es gilt also auch hier, echte und vor allem gute Bücher bitte gerne in der stationären Buchhandlung Ihrer Wahl kaufen.

Apothekerpreise und schlechter Service

Immer mehr stationäre Handels- und Vertriebskonzepte stehen auf dem Prüfstand. Durch das Internet als Wettbewerber geraten viele traditionelle und etablierte Konzepte unter Druck. Sicher ist, der Handlungsdruck wird in den Jahren weiter steigen. Nur wer sich dem Wettbewerb stellt und dem Kunden einen dauerhaften Zusatznutzen bietet, hat eine Berechtigung am Markt. Die übrigen werden früher oder später verschwinden.

Manche stationäre Handelskonzepte wähnen sich in Sicherheit, da sie von den regulären Marktbedingungen durch bestimmte Gesetze und Regeln ausgenommen sind. Dazu zählen beispielsweise Apotheken. Häufig existieren sie in einer Art Symbiose mit diversen Arztpraxen und sie liegen zufälligerweise direkt nebenan. Das Kalkül geht in den meisten Fällen auf, Patienten die mit dem Rezept in der Hand die Arztpraxis verlassen, stehen direkt vor oder gleich in der Apotheke.

Nun gibt es genau zwei Möglichkeiten, erstens der Kunde bekommt sein Medikament sofort oder eben nicht. Dabei spielt die Farbe des Rezeptes rosa, weiß oder blau erstaunlicherweise keine Rolle. Also auch der Privatpatient muss warten, falls die Apotheke das Medikament nicht da hat. Nach meiner Auffassung wird die „direkte Nichtverfügbarkeit“ eine Art Normalzustand in vielen Apotheken.

Quelle: Eigenes Bild

Quelle: Eigenes Bild

Die Kommunikation mit dem Kunden verläuft in der Mehrheit der Fälle immer gleich, der oder Mitarbeiter tippt am Computer herum und dann:

  1. Apotheke: „Hmmm das Medikament habe ich leider gerade nicht da!“
  2. Apotheke: „Bis heute Mittag/Abend habe ich das Medikament hier“
  3. Apotheke: „Soll ich es Ihnen bestellen?“
    4a.) Kunde: Ne, ich brauche das jetzt…
    Apotheke: “Tut mir leid, da kann ich nichts machen…“
    4b.) Kunde: Ja, bitte.
    Apotheke: „Hier ihr Abholschein“

Wer zahlt eigentlich für „das muss ich Ihnen bestellen“? Wie selbstverständlich erwartet der Dienstleister, also die Apotheke, dass der Kunde noch einmal kommt und die Bestellung abzuholen. Wenn der Hausarzt direkt um die Ecke sitzt, sind die Aufwände für den Kunden überschaubar. Doch ist dieser Ansatz überhaupt noch zeitgemäß. Wer hat denn die entsprechenden Fachärzte direkt in seiner Umgebung? Ist es das Problem des Kunden, dass der Dienstleister Apotheke etwas nicht vorrätig hat? Ich meine: NEIN. Das überhaupt erwartet wird, dass der Kunde wiederkommen muss, ist ein fataler Denkfehler.

Hier gibt es erstaunliche Parallelen zum „das muss ich Ihnen bestellen“ aus dem stationären Buchhandel, dem es bekanntlich miserable geht. Warum sollte ein Kunde erst in die Innenstadt (in den Buchhandel) fahren, zwischen tausenden Bücher zu stöbern, um dann das gewünschte Buch vor Ort zu bestellen – ein oder gleich mehrere Tage warten und dann wieder in die Buchhandlung fahren? Vom Smartphone aus kann ich Medikamente und Bücher jederzeit direkt nach Hause, ins Büro, ins Hotel oder sonst wohin versenden lassen, meist innerhalb von 24 Stunden.

Was sollte der stationäre Handel daraus lernen? Ein langfristiger Schlüssel zum Erfolg liegt in der sichergestellten, sofortigen Verfügbarkeit der angebotenen Produkten oder Dienstleistungen. Allein über diesen Zusatznutzen kann der stationäre Handel seine Existenzberechtigung behalten. Seit nunmehr 7 Jahren befasse ich mich mit Wettbewerbsstrategien mit dem und gegen das Internet, die meisten Apotheken haben Stand Mai 2015 noch immer nicht die geringste Ahnung was in den nächsten Jahren auf sich zukommen wird.